Mit «Metro» die SRG erkunden

«Metro» führt Station für Station durch alle wichtigen und wissenswerten Themen in und um die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft SRG. Man erfährt, warum die SRG zwar einen öffentlichen Auftrag hat, aber trotzdem keine öffentlich-rechtliche Anstalt ist. Man lernt die einzigartige Organisationsform der SRG kennen und sieht, welche Ziele die SRG künftig verfolgen will. «Metro» ist ein Instrument für Eilige, aber auch eines für die, die es ganz genau wissen wollen. «Metro» richtet sich an neue Mitarbeitende, doch gibt es auch für «alte SRG-Hasen» noch das eine oder andere zu entdecken. Natürlich sind auch Personen, die nicht bei der SRG arbeiten, herzlich eingeladen, die SRG mit «Metro» besser kennenzulernen. Die erste Station jeder Linie gibt kurz und bündig Auskunft über die wichtigsten Fakten. Die zweite Station dringt bereits tiefer ins Thema ein. Bei Station drei gibt es Detailinformationen. Und wer sich bis zur vierten Station durchklickt, gelangt zu den Unternehmenseinheiten Radiotelevisione svizzera (RSI), Radiotelevisiun Svizra Rumantscha (RTR), Radio Télévision Suisse (RTS), Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) und Swissinfo (SWI).

Publizistische Qualität: Vorgaben, Instrumente, Kontrollen

  • Was fordert die Konzession betreffend publizistische Qualität von der SRG?

    Artikel 3 der SRG-Konzession beschreibt die publizistischen Qualitätsanforderungen an die SRG:

    • Das Programmschaffen der SRG hat hohen qualitativen und ethischen Anforderungen zu genügen.
      Medien haben Macht. Sie können die Meinungsbildung beeinflussen, Karrieren zerstören oder bisher unbekannte Menschen zu Stars machen. Von Medienschaffenden wird folglich erwartet, dass sie verantwortungsbewusst mit dieser Macht umgehen. Ganz besonders gilt dies für die SRG als Unternehmen mit öffentlichem Auftrag. Es reicht also nicht, wenn sich SRG-Redaktionen nur an die Gesetze halten. Sie müssen auch in hohem Mass berufsethische Normen (siehe unten) respektieren. 

    • Die einzelnen Programmbereiche orientieren sich am Programmauftrag.
      Der Programmauftrag ist ebenfalls in der Konzession beschrieben. Er umfasst die Aspekte Förderung des Zusammenhalts innerhalb der Schweiz, Integration, Förderung des Schweizer Kulturschaffens, Unterhaltung, Bildung, Förderung der freien Meinungsbildung (siehe Linie «Auftrag und Recht»).
    • Die einzelnen Programmbereiche haben sich durch Glaubwürdigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Relevanz und journalistische Professionalität auszuzeichnen.
      Diese vier Kriterien bilden die Basis für die «Minimalstandards Programmqualität» (siehe unten).

    • Die SRG stellt die Unverwechselbarkeit ihrer Programme sicher und unterscheidet sich damit von kommerziell ausgerichteten Veranstaltern.
      Die SRG darf nicht einfach das ganze Angebotskonzept eines kommerziellen Medienhauses kopieren. Sie muss sich in Angebot und Inhalt von Privaten unterscheiden.

    • Die SRG strebt eine hohe Akzeptanz bei den verschiedenen Zielpublika an.
      Die SRG muss darauf achten, Angebote für unterschiedliche Zielgruppen anzubieten. Sie darf zum Beispiel nicht einfach entscheiden, nur noch Inhalte ausschliesslich für Kinder zu machen.

    • Die SRG misst die Akzeptanz nicht an den Marktanteilen.
      Ob die SRG ihren Job gut macht oder nicht, entscheidet nicht alleine die Anzahl Zuschauerinnen, Zuhörer oder Internetnutzer. Die SRG muss gemäss Programmauftrag auch Inhalte zur Schweizer Kultur, Integration oder Bildung im Programm haben. Erfahrungsgemäss sind Inhalte zu diesen Themen nicht immer Quotenrenner. Auch wenn sie teilweise nur wenig Publikum anlocken, sind sie für die Beurteilung der Programmqualität von Bedeutung. 

    • Die SRG definiert zur Umsetzung der oben genannten Vorgaben inhaltliche und formale Qualitätsstandards, die sie auch veröffentlicht.
      Die SRG hat entsprechende Standards: die «Minimalstandards Programmqualität» (siehe unten).

    • Die SRG führt regelmässig interne Qualitätskontrollen durch.
      Diese Kontrollen werden in den Unternehmenseinheiten RSI, RTR, RTS, SRF und SWI durchgeführt. Jede Unternehmenseinheit hat ihre eigene Methode entwickelt. 

    • Die SRG informiert die Öffentlichkeit über die Ergebnisse der Qualitätskontrollen.
      Im Geschäftsbericht der SRG wird Jahr für Jahr über die Bestrebungen rund um die publizistische Qualität Auskunft gegeben.

    Konzession SRG SSR

  • Wer überwacht die publizistische Qualität der SRG?

    Vier Akteure überwachen die publizistische Qualität der SRG:

    1. Die SRG selbst. RSI, RTR, RTS, SRF und SWI führen regelmässig Qualitätskontrollen durch. Über die Resultate wird jährlich im Geschäftsbericht informiert. Qualitätskontrollen sind jedoch auch Teil der täglichen Arbeit innerhalb der Redaktionen und Abteilungen. So finden zum Beispiel systematisch Konzeptbesprechungen oder Feedbacksitzungen statt. 

    2. Die Publikumsräte. In jeder Sprachregion und auch bei SWI gibt es von Seiten der Trägerschaft SRG einen Publikumsrat. Dieser überprüft die Angebote der Unternehmenseinheiten auf ihre Qualität und diskutiert regelmässig mit den Programmmacherinnen und Programmmachern. 

    3. Das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) als Aufsichtsbehörde. Es beauftragt Forschungsinstitutionen, das Angebot der SRG stichprobenartig zu analysieren. Die Analysen sollen zeigen, ob die Sendungen und Onlineangebote den Aspekten des Programmauftrags (Förderung des Zusammenhalts innerhalb der Schweiz, Integration, Förderung des Schweizer Kulturschaffens, Unterhaltung, Bildung, Förderung der freien Meinungsbildung) genügend Rechnung tragen. 

    4. Das Publikum. Es kann bei der Ombudsstelle, gegebenenfalls bei der Unabhängigen Beschwerdeinstanz (UBI), intervenieren, wenn es in einer Sendung oder einem Webinhalt eine redaktionelle Fehlleistung ortet.

    5. SRG-Qualität
      Bakom – Beiträge und Studien Medienforschung
  • Was sind die «Minimalstandards Programmqualität»?

    Die «Minimalstandards Programmqualität» gelten für alle Unternehmenseinheiten der SRG. Dabei handelt es sich um sechs Qualitätsbausteine, die konkrete Handlungsanweisungen für die Redaktionen umfassen. Werden die Vorgaben umgesetzt, sollten Medienschaffende alle Instrumente besitzen, um die von der Konzession vorgegebenen Qualitätskriterien «Journalistische Professionalität» und «Verantwortungsbewusstsein» auf hohem Niveau zu halten. Dies wiederum ist die Grundlage für «Glaubwürdigkeit» und «Relevanz» in allen Programmbereichen. Folgende sechs Bausteine bilden die «Minimalstandards Programmqualität»:

    • Qualitätsstandards und Normen,
    • Führen mit Zielvorgaben (Management by Objectives, MbO) und Sendungsmandat,
    • Ressourcen und Prozesse,
    • Feedback und Qualitätskontrolle,
    • Ausbildung,
    • Markt- und Publikumsforschung.

    SRG-Minimalstandards Programmqualität

    Die sechs Bausteine der Programmqualität

  • Was ist der Ethikcode der SRG?

    Alle grösseren Unternehmen haben einen Ethikcode oder einen Verhaltenskodex. Die Bandbreite reicht von kurz und knapp formulierten Leitlinien bis hin zu 50-seitigen Regelwerken mit detaillierten Verhaltensregeln und Sanktionen. Die SRG hat sich für einen schlanken Ethikcode entschieden. Der Ethikcode hält die ethische Grundhaltung der SRG in vier Grundsätzen fest. Er gilt für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der SRG. Er ist weder eine Anleitung für ethisches Verhalten noch eine Sammlung von Verboten, sondern formuliert wichtige Verhaltensgrundsätze und bildet so die Grundlage für konkrete Massnahmen. 2013 wurde beispielsweise eine Stelle für Whistleblowing eingeführt, über die Regelverstösse vertraulich gemeldet werden können.

    Ethikcode der SRG

  • Was ist die Programmcharta der SRG?

    Die Programmcharta dient den Medienschaffenden der SRG als Richtschnur für ihre Arbeit. Sie gibt auf der internen publizistischen Verfassungsebene die Werte vor, die für das Tagesgeschäft in den publizistischen Leitlinien der Unternehmenseinheiten konkret ausformuliert werden. Die publizistischen Leitlinien der Unternehmenseinheiten leiten sich also aus den generellen publizistischen Werten der Programmcharta ab.

    Programmcharta der SRG

  • Was ist das Leitbild der SRG?

    Neben Ethikcodes gibt es in den meisten grösseren Unternehmen auch Leitbilder. Das Leitbild ist für ein Unternehmen richtungsweisend. Es beschreibt, welche Vision der Unternehmung zugrunde liegt und welche Mission gemeinsam erfüllt werden soll. Nach aussen spiegelt das Leitbild die Grundhaltung des Unternehmens. Aus dem Leitbild ergeben sich Unternehmenspolitiken und Strategien. Neben der Mission und der Vision führt das Leitbild der SRG zentrale Leitsätze auf: Glaubwürdigkeit, Unabhängigkeit, Vielfalt, Kreativität und Fairness.

    Leitbild der SRG

  • Ethikcode, Leitbild, Programmcharta: Wo liegt der Unterschied?

    Zusammen mit dem Organisationsreglement bilden Ethikcode, Leitbild und Programmcharta gewissermassen die Verfassungsebene der SRG. Diese vier Regelwerke gelten für die gesamte SRG und stehen an höchster Stelle. Sie werden vom Verwaltungsrat der SRG verabschiedet. Doch wodurch unterscheiden sich die vier Regelwerke?
    Zwischen dem Organisationsreglement und den anderen drei Regelwerken gibt es einen klaren Unterschied: Das Organisationsreglement enthält organisatorische Vorgaben. Ethikcode, Leitbild und Programmcharta enthalten Verhaltensleitplanken und spiegeln die Werte, welche die SRG verkörpert, wider. Der Ethikcode ist ein allgemein gehaltener Verhaltenskodex, wie man ihn in den meisten grösseren Unternehmen vorfindet. Das Leitbild beschreibt, welche Vision die SRG verfolgt, welche Mission sie mit ihren Mitarbeitenden zu erfüllen gedenkt und welche Werte hochzuhalten sind. Das Leitbild ist also spezifisch auf das Medienhaus SRG und sein Angebot zugeschnitten. Aus dem Leitbild ergeben sich Politiken und Strategien der SRG (siehe Linie «Strategie und Ziele»). Die Programmcharta zielt demgegenüber konkret auf publizistische Inhalte. Sie leitet sich aus der Konzession, aus weiteren rechtlichen Regelwerken (zum Beispiel Strafrecht, Persönlichkeitsschutz) sowie aus medienethischen Vorgaben und Leitgedanken ab und soll Medienschaffenden als Verhaltenswegweiser dienen.

  • Medienethische Vorgaben – Wo finden sich diese?

    Die vom Schweizer Presserat erlassenen «Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten» bilden in der Schweiz die medienethische Richtschnur für Medienschaffende. Der Presserat steht dem Publikum und den Medienschaffenden als Beschwerdeinstanz für medienethische Fragen zur Verfügung. Mit seiner Tätigkeit trägt er zur Reflexion über grundsätzliche medienethische Probleme bei und regt damit medienethische Diskussionen in den Redaktionen der Schweizer Medienunternehmen an. Der Schweizer Presserat nimmt auf Beschwerde hin oder von sich aus Stellung zu Fragen der Berufsethik der Medienschaffenden. Er verteidigt die Presse- und Meinungsäusserungsfreiheit. Grundlage der Stellungnahmen des Schweizer Presserats bilden neben der «Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten» die vom Schweizer Presserat dazu erlassenen Richtlinien sowie dessen Praxis. Der Presserat hält in seinen Stellungnahmen fest, ob der Journalistenkodex verletzt wurde oder nicht.

    Presserat

  • Was geschieht, wenn fehlerhafte Inhalte publiziert werden?

    Die Programmcharta der SRG gibt vor, dass SRG-Mitarbeitende Fehler, die ihnen unterlaufen, offen zugeben und falsche Informationen berichtigt werden. Sollten Personen aus dem Publikum eine Fehlleistung zu erkennen glauben, die nach Meinung der Redaktionsverantwortlichen keine ist, so können sie sich an die Ombudsstelle der Trägergremien wenden. Diese versucht, zwischen Beschwerdeträgern und Redaktionen zu vermitteln. Die nächsthöhere Instanz bildet die Unabhängige Beschwerdeinstanz (UBI). Ein Beschluss der UBI kann ans Bundesgericht weitergezogen werden – sowohl vom Beschwerdeträger als auch von der SRG (Details dazu unter «Recht und Auftrag», Station 3).

    Ombudsstellen 

    Unabhängige Beschwerdeinstanz (UBI)